EXPECTATIONS – Fotografien aus dem Land der Huzulen

08.11.2013 – 08.01.2014
NO_UA_presspic-01Die Ausstellung „EXPECTATIONS“ stellt Fotografen aus der westukrainischen Stadt Ivano-Frankivsk vor, welche sich mit dem Leben des Karpatenvolkes der Huzulen auseinandersetzen. Die Gebirgsregion im Herzen Europas liegt geografisch nahe und doch fern unserer Wahrnehmung. Ein Gebiet an den Grenzen zwischen Polen, Rumänien und vor allem der Ukraine, auf dem es noch Spuren einer alten untergehenden Kultur zu entdecken gibt. Die Ausstellung ist noch bis zum 06.01.2014 zu sehen! Bilder von der Vernissage am Freitag, den 08.11.2013 zusammen mit den Fotografen hier…

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Selbst die Sowjetisierungsmaßnahmen im ehemaligen GUS Staat Ukraine hat die zurückgezogen lebende Volksgruppe überstanden hat. Bis zum Ende des 19. Jh. waren die Huzulen im unwegsamen Hochgebirge der Karpaten von allen Entwicklungen der Zeitgeschichte abgeschnitten und lebten nach ihren eigenen Gesetzen und Bräuchen. Diese Ausstellung zeigt fotografische Positionen, die sich u.a. mit Fragen der Möglichkeit einer kontinuierlichen Weiterentwicklung der ländlichen Lebensweise und der damit verbunden Identitätsfindung bzw. –krise auseinandersetzen. Nebenbei stellt sie die Arbeit des Fotoclubs COLOMB vor, der im kommenden Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiert. Zur Vernissage werden einige ukrainische Fotografen anwesend sein, die über das Leben in der Karpatenregion und ihre fotografische Arbeit berichten werden.

Fotos: Myroslav Kushnirenko”Hutsuls wedding – 1″ (links); Fotokombination O. Torbiak/ M. Kushnirenko (rechts)

Fotografen aus Ivano-Frankivsk/Ukraine:

Anatoliy Gleb, Bogdan Mokhniak, Denys Trofimov, Dmytro Petryna, Ivan Postolovsky, Mykola Kalytchuk, Myroslav Kushnirenko,
Oleksandr Torbiak, Pavlo Drobyak, Taras Dutka, Taras Yakovyn, Tetyana Pavlyk, Yuriy Rylchuk, Yarema Protciv; Mykola Dzhychka

Galerie NEUE OSTEN
Bautzner Str. 49
01099 Dresden

Vernissage: 08.11.2013, 19 Uhr

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“Die Organisatoren haben die Genrebilder nicht umsonst ausgewählt, die das Leben der Einwohner der Karpaten, der Hutsulen, und das unglückliche Leben der älteren Menschen unseres Landes zeigen. Offensichtlich wurden solche Bilder von der Mehrheit der Clubmitglieder in ihren Archiven gefunden. Die Fotos dieser Bilderserien sind gekennzeichnet von Romantizismus, professionellen Bilderkompositionen und dezenten Farben. Diese Bilder bilden endlose kreative Ausflüge in unsere Berge ab, wo die meisten uns die Dinge anders sehen und dem Alltag entfliehen. Aber unbewusst nehmen wir Spiritualität und das Drama des menschlichen Lebens in den Blick, auch wenn wir uns körperlich und seelisch in einem erhabenen Zustand befinden, veredelt durch die Bergluft der Karpaten. Das Publikum kann entscheiden, ob dies zufällig oder absichtlich geschieht.  Ich möchte an dieser Stelle erwähnen, dass die kollektiven Ausstellungen des Fotoclubs „Columb“ in der Suche nach dem Genre nicht sonderlich variierten. Typischerweise werden in den Sammlungen die traditionellen  Gattungen der Landschafts- Portrait- und Genrefotografie präsentiert, mit einer romantischen Reflexion der Natur, mehrheitlich der Minderheit der Hutsulen, mit denen das Karpatenvorland verbunden ist. Es ist auch unmöglich, die Ausstellungen nicht zu erwähnen, die einigen offiziellen Feiertagen gewidmet sind. Das ist noch ein sowjetischer, kollektiver Zugang zu Kreativität, dessen treibende Kräfte formale Strukturen sind. Der Fotoclub „Columb“ ist ein kleiner Teil dieser Strukturen. Die Ausstellung „EXPECTATIONS” zeigt, dass der Raum im Club für den Austausch von Informationen und kreativen Ideen leider zu wenig genutzt wird. Vielleicht nimmt diese allgegenwärtige Traurigkeit zu viel unserer Zeit und hält uns davon ab, uns fortschrittlichere kreative Ideen zu konzentrieren. So können wir nur auf das Beste hoffen. Im Gegensatz zur allgemeinen Clubsituation ist der individuelle Ansatz der Clubmitglieder zweifellos interessanter in Bezug auf originelle Bildsprache und die Nähe zu gegenwärtigen Trends in der Fotografie. Aber das ist ein anderes Thema, das Anlass zu mehr Optimismus gibt…”

Mykola Dzhychka
Künstler, Mitglied des Fotoclubs “Columb”
Geschäftsführer des  Regionaldepartements Ivano-Frankivsk  der
Nationalen Fotografenvereinigung der Ukraine.

Über Sandra

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Eine Antwort auf EXPECTATIONS – Fotografien aus dem Land der Huzulen

  1. Stanislaw Vincenz wurde 1888 in einem kleinen Ort in den damals österreichischen, dann polnischen und heute ukrainischen Ostkarpaten geboren, wo seine einst aus Südfrankreich eingewanderten Vorfahren Erdöl förderten. Er selber interessierte sich allerdings mehr für die Mythologie der Huzulen, eines westukrainischen Bergvolkes an der (1920-1939 polnisch-rumänischen) Grenze zwischen Galizien und der Bukowina. Dort lagen auch die Anfänge des dem Leser sicher schon von Martin Buber her bekannten Begründers des Chassidismus Israel (Srul) ben Elieser, genannt der Baal Schem Tow (Meister des Guten Namens). In seiner Leuchtspur bewegten sich die mystisch veranlagten „Waldjuden”, die unter dem geradezu überwältigenden Einfluß eher pantheistisch veranlagter huzulischer Weiser und Naturphilosophen die Enge der kleinstädtischen Ghettos überwanden. Der von Stanislaw Vincenz in einer leider unvollendet gebliebenen Erzählung verewigte „Jekely der Einfältige” zum Beispiel ist eine leuchtende Gestalt, die sonst wohl nur mit Franz von Assisi zu vergleichen wäre. Und Tanasij erinnert an Sokrates und Diogenes – oder sind das eher thrakisch-bogumilische Unterströmungen?
    Nach dem Einmarsch der Sowjets 1939 floh Vincenz mit seiner Familie über Ungarn in die Schweiz, wo er 1971 starb, ohne sein geliebtes Huzulenland noch einmal wiedergesehen zu haben. Aber auch dort überließ er sich nicht bloßer Nostalgie, sondern schuf mitten im mythenreichen Alpenraum eine Art „Platonische Akademie” für suchende Geister.
    Prof. Andrzej de Vincenz, der Sohn des Schriftstellers, bei dem alle Rechte liegen, lebt heute in Heidelberg. In Lublin wirkt das auch in Deutschland bekannt gewordene “Sankt-Nikolaus-Orchester”, das in Mittel- und Westeuropa ein starkes Interesse für die huzulische Musik geweckt hat. Originale Huzulenmusik macht die „Kapela Czeremosz” des genialen Geigers Roman Kumlyk aus Werchowyna, die ebenfalls schon in Deutschland aufgetreten ist.
    Ich glaube, es ist nicht übertrieben, wenn ich nach einem eindrucksvollen Besuch bei Roman die Huzulen mit ihrer fast schamanistischen Naturverbundenheit als „die letzten Indianer Europas” bezeichne. Vincenz´ Buch „Na wysokiej połoninie” ist bisher im deutschsprachigen Raum noch ganz unbekannt, trotz guter Kontakte des Verfassers zu Schweizer Philosophen und Schriftstellern wie Rudolf Maria Holzapfel, Hans Zbinden und Peter Marbach. 1955 erschien in New York eine englischsprachige Auswahl („On the High Uplands”) in der Übersetzung von Harry Stevens. Ich habe ganz bewußt unbekannte Texte ausgewählt, die ich ich für besonders inspirierend halte – in der Hoffnung, daß sich vielleicht ein Verlag findet, der es mir ermöglicht, das gesamte, vierbändige Werk ins Deutsche zu übersetzen. Wahrlich eine Lebensaufgabe.
    Herbert Ulrich
    herbert.ulrich@gmail.com

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